Ende August jährte sich der 250. Geburtstag eines der bedeutendsten deutschen Philosophen überhaupt: Hegel. Er zählt zu den Philosophen, die den Lauf der Geschichte bestimmt haben. Seine Lehre war entscheidender Anstoß für verschiedene Leute, politische Visionen zu entwickeln und in die Tat umzusetzen. Marx ist wohl der berühmteste dieser Leute.

 

Biographie

Hegel begegnet Napoleon in Jena 1806. Quelle: www.wikipedia.org

Georg Friedrich Wilhelm Hegel wurde am 27. August 1770 in Stuttgart geboren. Seine Familie war fromm-pietistisch. Nach seinem Studium in Tübingen, bei dem er zeitweise mit Hölderlin und Schelling in der wohl legendärsten Studenten-WG der Geistesgeschichte lebte, wurde er zuerst Hauslehrer in Bern und Frankfurt.

Anschließend begann seine große universitäre Karriere in Jena, wo er 1805 Professor für Philosophie wurde. 1806 veröffentlichte er sein berühmtes Hauptwerk, die „Phänomenologie des Geistes“. Nach mehreren Zwischenstationen in Bamberg, Nürnberg und Heidelberg wurde Hegel 1818 Professor in Berlin, wo er bis zu seinem Tod 1831 tätig war.

Was hat Hegel zu einem bedeutenden Philosophen gemacht?

Vor allem sein Wille, die gesamte Wirklichkeit auf einen rationalen Grund hin zu interpretieren. Von der menschlichen Gesellschaft bis hin zu Tieren und Gesteinsschichten wird alles zu einem geschlossenen System vereinigt.

Hegel ist zutiefst davon überzeugt, dass letztlich alles, was existiert, in einem rationalen Zusammenhang mit allem anderen stehen muss. Durch die Logik und durch Anschauung der allem zugrundeliegenden „Idee“ ist der Mensch in der Lage, die Wirklichkeit der Welt erkennen.

Triebkraft sowohl der Wirklichkeit selbst als auch der Erkenntnis der Wirklichkeit ist die „Dialektik“. Etwas Seiendes bzw. eine These birgt bereits immer in sich das eigene Gegenteil, die Antithese, die beide schließlich zur Synthese vereinigt werden. Mit dieser Dialektik ist es Hegel möglich, Dinge, die auf den ersten Blick als zufällige Größen erscheinen, zum Teil eines allumfassenden rationalen Systems zu machen.

 

Hegels Werke sind alles andere als leichte Kost. Erschwerenderweise kommt hinzu, dass seine Abhandlungen auch mit Fachwissen über sämtliche bekannten Lebensformen und Gesteine glänzen können. Was seine Werke nicht nur schwierig, sondern oft auch etwas langatmig macht. Dennoch hat Hegel immer wieder Menschen in seinen Bann gezogen. Warum?

Alles ist getrennt und zusammen

Er bietet eine Gesamtdeutung. Man kann über sie in vielen Punkten streiten, aber er belässt es nicht bei den kleinen Fragen, sondern bietet eine Gesamtdeutung der Wirklichkeit an, die – zumindest dem Anspruch nach – rational und wissenschaftlich ist. Mit seiner Dialektik bietet er ein faszinierendes Werkzeug, das Chaos einer komplexen Welt gefügig zu machen und einzusortieren. Alles ist getrennt und zusammen: die Wirklichkeit mit all ihren unübersichtlichen Elementen ist letztlich eine Einheit.

Genau das hat Hegel interessant gemacht für Leute, welche die Welt verstehen und dann auch aus diesem Verständnis heraus verändern wollten. Karl Marx ist sicher das prominenteste Beispiel dieser „hegelianischen“ Weltinterpretation.

 

Hegel (1770-1831), Quelle: www.wikipedia.org

Genau das macht Hegel auch heute noch interessant. Zum einen in der Fähigkeit, die Welt als ein System zu interpretieren. Zum anderen aber auch, ein Ziel in der Welt zu erkennen, das von diesem System eigentlich angezielt ist.

Fortschritt, gezielte Veränderung bzw. Innovation sind auf genau diese Fähigkeit angewiesen. Es ist nur dann möglich, eine sinnvolle Veränderung erfolgreich durchzuführen, wenn ich zum einen das Funktionieren von dem erkenne, was ich eigentlich verändern will und wenn ich die Richtung kenne, in die ich will.

Dies durchzuführen kann Hegel lehren, für große gesellschaftliche und politische Visionen, aber auch für Unternehmen und für persönliche Situationen.

Hierbei ist jedoch wichtig, dass bei allem Glauben an ein System und an die Stringenz und Allgemeingültigkeit des Systems Hegel der Gedanke der persönlichen Freiheit wichtig war. Das System behindert nicht die Freiheit, es verwirklicht sie, so Hegel im Schlusswort seiner letzten Vorlesung:

„Freyheit ist das Innerste, und aus ihr ist es, daß der ganze Bau der geistigen Welt hervorsteigt.“

 

Diese geistige Welt ist das, was wir im Denken an uns und unserem Umfeld verwirklichen können, was uns und unserem Handeln Sinn und Richtung geben. Dass das nicht immer einfach ist, lehrt Hegel, wenn man sich durch seine Bücher quält. Alleine das ist bereits eine wichtige Lehre: Denken und Entwickeln ist selten leicht.

 

Literaturempfehlungen:

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Phänomenologie des Geistes.

Kaube, Jürgen: Hegels Welt.

Zöller, Günter: Hegels Philosophie. Eine Einführung.