Immanuel Kant (Quelle: www.wikipedia.org)

Der große Immanuel Kant (1724-1804) definierte in seinen „Vorlesungen über die Logik“ die Philosophie über vier Fragen:

  1. Was kann ich wissen?
  2. Was soll ich tun?
  3. Was darf ich hoffen?
  4. Was ist der Mensch?

Diese vier Fragen, so Kant, machen einen Philosophen aus. Hinter diesen Fragen verbergen sich jedoch nicht nur die wesentlichen Grundfragen der Philosophie, sondern auch Kompetenzen – Kompetenzen, die auch für Führungskräfte wichtig sind.

Insofern definieren diese Fragen nicht nur die Philosophie, sondern auch gute Führung.

 

Die vier Kompetenzen guter Führung

  1. Was kann ich wissen? – Experte

Gute Führung hat immer mit Fachwissen und Expertise zu tun. Hier entscheidet sich, ob jemand nur laue Luft oder wirkliche Substanz von sich gibt. Das Umfeld bemerkt schnell, was vorliegt und mit welche Kompetenz die Führungskraft besitzt (oder eben nicht). Abgesehen von der Frage der Autorität gegenüber den Mitarbeitern geht es auch darum, dass eine Führungskraft in der Lage sein muss, inhaltlich gute Entscheidungen zu treffen und die Beurteilung dieser Inhaltlichkeit setzt Fachwissen voraus. Die Kunst besteht nun darin, sich in diesem Fachwissen nicht zu verlieren und vor lauter schlauen Fragen nicht die Antworten zu vergessen (Gegenmittel: siehe unter 2).

 

  1. Was soll ich tun? – Macher

Gute Führung hat auch damit zu tun, zu „machen“ – nicht nur reden und ankündigen zu können, sondern auch aktiv zu werden und zur Tat zu schreiten. Ein „Macher“ strahlt Energie aus, die motiviert und andere mitreißt. Die Kunst besteht nun darin, dies in überlegter und vorausschauender Weise zu tun und nicht in bloßen Aktivismus zu verfallen (Gegenmittel: siehe unter 3. und 1.).

 

  1. Was darf ich hoffen? – Visionär

Gute Führung blickt nach vorne. Weiß, in welche Richtung man will. Entwirft Visionen. Ein Visionär kann sich und seinem Umfeld anzeigen, wohin es gehen soll. Wenn diese Richtung nicht klar ist, gibt es keine Richtung, sondern richtungsloses Rumprobieren – ohne Strategie und ohne Ziel. Die Kunst besteht nun darin, auch als guter Visionär nicht die Bodenhaftung zu verlieren und sich in irgendwelchen Zukunftsträumen zu verlieren, die nicht realistisch sind (Gegenmittel: siehe unter 1.) oder nur zu reden, aber nicht zu handeln (Gegenmittel: siehe unter 2.)

 

  1. Was ist der Mensch? – Mensch

Guter Führung weiß, was ein Mensch ist und ist selbst menschlich. Dies beinhaltet das Wissen um menschliche Fehler, Bedürfnisse, Stärken und Schwächen – bei sich selbst und beim Mitarbeiter. Eine gute Führungskraft ist immer auch ein guter Psychologe. Die Kunst besteht nun darin, sich nicht in der Rolle des fürsorgenden und mitmenschlichen Firma-Familienvaters zu verlieren (Gegenmittel: siehe unter 2).

Diese vier Kompetenzfelder (Experte, Macher, Visionär, Mensch) sind Kennzeichen von Führung. Gute Führung ist dadurch gekennzeichnet, dass diese vier Felder zueinander in einem mehr oder weniger ausgewogenen Verhältnis stehen. Natürlich hat jeder seine Stärken und Schwächen und fühlt sich dem einen Kompetenzfeld mehr als dem anderen verbunden. Dies darf allerdings nicht zu einer Vereinseitigung führen: dann wird aus dem Experten ein Fachidiot, aus dem Macher ein blindwütiger Rackerer, aus dem Visionär ein Spinner, aus dem Menschen einer, der von allen ausgenutzt wird.

 

Auf das Verhältnis kommt es an

Gute Führung lebt von einem guten und ausgewogenen Verhältnis dieser vier Kompetenzfelder und die Philosophie, wie sie Kant und viele andere vorgetragen haben, kann helfen, diese Felder zu füllen und die Kompetenzen zu stärken:

  • indem Wissen nicht nur Fachwissen ist, sondern man auch versteht, was Wissen eigentlich ist: wie es funktioniert, wie man es erwirbt, wie man es einsetzt.
  • indem „machen“ kein sinnloses Nach-vorne-Stürmen ist, sondern man weiß, wann man etwas machen muss und wann man etwas lassen soll.
  • indem Visionen nicht nur Wolkenkuckucksheime sind, die auf Papier geschrieben werden und dann einen langsamen Tod sterben, sondern aus der Realität und für die Realität entwickelt wurden.
  • indem „Menschlichkeit“ nicht zur Blaupause für nicht nur ein Lippenbekenntnis oder übertriebene Fürsorge ist, sondern Grundlage für einen angemessen und würdevollen Umgang miteinander. Nicht zu warm, aber auch nicht zu kalt.

 

Kant hat mit seinen vier Grundfragen der Philosophie nicht nur die Grundkompetenzen eines Philosophen beschrieben, sondern eines jeden Menschen. Vor allem auch eines Menschen, der Verantwortung für andere Menschen hat. Vor diesem Hintergrund bietet Kant modernes und zeitloses Leadership.