Vor einigen Tagen war das Pfingstfest, das christliche Fest, in dem es um den Heiligen Geist geht. Nun geht es weniger darum, eine Werbeveranstaltung für christliche Feiertage zu machen oder die Gesellschaft bzw. die Wirtschaft christianisieren zu wollen. Aber das Christentum hat in seinen 2.000 Jahren einige durchaus erfolgreiche Mechanismen hervorgebracht, die einen Seitenblick lohnen und ein solcher Mechanismus hat mit Pfingsten und dem Heiligen Geist zu tun.

Worum geht es? Die christlichen Kirchen sprechen vom Heiligen Geist und meinen damit dasjenige in Gott, was für Lebenskraft und Lebendigkeit steht. Dies gilt für die ganze Schöpfung als auch für die christliche Kirche selbst: der Heilige Geist ist derjenige, dessen Kraft immer neues Leben hervorbringt.

Sowohl die Schöpfung als auch die Kirche ist darauf angewiesen, dass sich diese Lebenskraft möglichst ungehindert entfalten kann. Je besser das gelingt, desto kräftiger und lebendiger ist es.

Die für die Kirche spannende Frage ist diejenige: wie kann man sich diese Kraft zunutze machen?

Quelle: www.erzbistum-koeln.de

Schauen wir nun genauer auf die Kirche. Die Kirche ist eine recht starr aufgebaute Institution: es gibt klare Strukturen, es gibt eine klare Hierarchie. Und dann gibt es eben dieses Prinzip des Heiligen Geistes, das etwas Leben in diese Strukturen bringt.

Für die Kirche ist es ein dauernder Spagat zwischen Verharrung und Erneuerung:

Was ist Heiliger Geist und muss integriert werden – und was ist vorübergehende Mode und muss abgelehnt werden?

Hier hat die Kirche im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Maximen und Verfahren herausgebildet, die durchaus auch für Unternehmen interessant sind – wohlwissend, dass auch die Kirche selbst nicht immer diese Maximen beherzigt, zum eigenen Schaden natürlich.

 

Eigene Identität klarmachen!

Jedes Unternehmen, jeder Verein, jede Partei und jede Religion braucht eine eigene Identität, um auf Dauer bestehen zu können. Wenn es darum geht, ob man Veränderungen durchführen will, muss man erst einmal wissen, was man will und was man ist.

Die christliche Kirche hat ihr Fundament recht eindeutig geklärt: es gibt eine schriftliche Grundlage (die Bibel), es gibt eine bestimmte Form, Gottesdienst zu feiern (das Abendmahl), es gibt bestimmte inhaltliche Festlegungen (Jesus ist der Sohn Gottes usw.) Was das alles konkret bedeutet, muss immer neu durchbuchstabiert werden, aber diese Dinge sind die Grundlage.

Die Kirche sagt: der Heilige Geist erneuert diese Identität, also lies die Bibel und geh in den Gottesdienst, dann weißt du, in welche Richtung es gehen muss!

Ein Unternehmen sagt: schau Dir unsere Gründung an, unsere Geschichte und unsere Produkte! Denke über unsere Identität und unser Profil nach, dann weißt du, in welche Richtung es gehen muss!

 

Alles überprüfen!

In einem Brief von Paulus findet sich ein toller Satz:

„Prüft alles und behaltet das Gute“ (1 Thess 5,14)

Jeden Tag prasselt Neues auf die Kirche ein. Ist es jetzt die Taube des Heiligen Geistes oder der eigene Vogel, der da zwitschert? Paulus rät, alles zu überprüfen und das Gute zu behalten.

Eine Überprüfung setzt voraus, sich erst einmal geduldig und unbefangen alles anzusehen – was im Normalfall der Kirche genauso schwer fällt wie jedem Unternehmen. Aber diese prinzipielle Offenheit gegenüber dem Neuen braucht es, um zu erkennen, was gut ist und was nicht – dies immer im Hinblick auf die eigene Identität und das eigene Profil. Denn Veränderung ist immer Veränderung dessen, was da ist, aber eben weiterentwickelt werden muss.

 

Nicht gegen den Trend!

Jeder weiß: es tut weh, nach einem fallenden Messer zu greifen.

Aus der Anfangszeit des Christentums wird in der Apostelgeschichte (Apg 5,21b-42) berichtet, dass mehrere Apostel verhaftet worden wären. Der Hohe Rat der Juden überlegte, wie man mit diesen Christen umgehen sollte: verhaften oder freilassen.

Ein weiser Mann namens Gamaliel habe ich sich erhoben und für die Freilassung plädiert. Er wies auf mehrere Propheten hin, die vor Kurzem aufgetreten seien. Sie hatten eine große Anhängerschaft, diese Propheten seien gestorben und alle Anhänger seien zerstreut worden.

Daher sollten die Christen freigelassen werden:

„Lasst von diesen Männern ab und gebt sie frei; denn wenn dieses Vorhaben oder dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie vernichten.“

Eine Religion muss schauen: was stammt von Gott? Dann kann ich nichts dagegen machen, es wird sich durchsetzen.

Ein Unternehmen muss schauen: was ist nicht nur Mode, sondern ein tragfähiger Trend, der sich durchsetzen wird? Gegen einen solchen Trend zu kämpfen, ist unsinnig.

Man konnte die schönsten Kutschen bauen: das Auto kam und war nicht aufzuhalten. Es machte keinen Sinn, an der Kutsche festzuhalten.

Entsprechend wichtig ist es auch heute, Kutschen zu erkennen, die bald nicht mehr fahren werden, und zu wissen, was bald fahren wird.

 

Fazit

Das Christentum beschäftigt sich seit 2.000 Jahren mit dem, was an Pfingsten gefeiert wird: was ist Heiliger Geist, also göttliche Lebenskraft, die wir aufnehmen müssen, und was ist ein laues Lüftchen, das bald vorbei ist?

Dabei hat das Christentum Mechanismen entwickelt, die auch für modernes Change Management wichtig sind:

  • Was sind wir? Was ist unsere Identität?
  • Was ist an Veränderungen sinnvoll? Was von dem Neuen kann uns helfen?
  • Was ist tragfähig und was nicht?

Das Christentum hat in 2.000 Jahren Geschichte immer wieder Veränderungen durchgeführt, mal schnell genug, oft aber auch zu spät. Aus dieser Geschichte kann man viel lernen. Das gilt für das Christentums selbst wie für jedes Unternehmen, jede Partei und jeden Verein.