1972 veröffentlichte der „Club of Rome“ eine Schrift, die bis heute für großes Aufsehen sorgt: „Die Grenzen des Wachstums“. In dieser Studie „zur Lage der Menschheit“ wird angekündigt, dass die Grenzen des weltweiten Wirtschaftswachstums in Sicht seien:

„Wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält, werden die absoluten Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht.“

Seitdem ist die Frage in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatten gerückt, ob eigentlich das Mantra des immerwährenden Wachstums möglich oder auch nur wünschenswert ist. Die aufgestellte Rechnung scheint ganz einfach:

Wir Menschen leben auf einem Planeten, der begrenzte Ressourcen hat. Kohle, Öl usw. sind nicht beliebig vermehrbar. Wenn man das aktuelle Konsumverhalten einer Person in einem wohlhabenden Land nimmt, lässt sich schnell errechnen, dass die Ressourcen nicht mehr lange reichen werden. Daraus ergeben sich Appelle, den Raubbau an unserem Planeten zu beenden, den Konsum herunterzufahren und die Ressourcen zu schonen.

Ganz so einfach ist es jedoch nicht.

 

„Wachstum“ heißt nicht automatisch: mehr Verbrauch!

Oft liegt ein biologisch-exponentielles Verständnis von Wirtschaftswachstum vor. Aus der Natur wissen wir: je mehr etwas wächst, desto größer wird es und desto mehr verbraucht es. Dies kann man jeden Tag in der Natur beobachten, und es ist deshalb wunderbar griffig, aber nicht unbedingt korrekt.

Nehmen wir das Thema Ernährung. Unser Planet, so die These, käme an die Grenzen der Belastung und sei nicht mehr in der Lage, mehr Menschen als heute zu ernähren. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Waren Hungersnöte noch vor wenigen Jahrzehnten trauriger Alltag in China, Indien und vielen afrikanischen Ländern, geht die Rate seitdem immer weiter zurück, der pro-Kopf-Kalorien-Verbrauch steigt, von ehemals knapp 50% der Weltbevölkerung, die vor 70 Jahren unterernährt waren, sind es nun ca. 13% – trotz eines Zuwachses von 5 Milliarden Menschen.

Woran liegt das? An der immer effektiveren Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Mit anderen Worten: am Fortschritt.

Die Ressourcen werden immer effektiver genutzt und ermöglichen so neues Wachstum.

 

Ressourcen sind nur Mittel zum Zweck

Die Ressourcen sind nur Mittel zum Zweck für das, was wir brauchen. Die Ressourcen an sich brauchen wir nicht. Wir brauchen Nahrung, wir wollen mobil sein, wir wollen ein schönes Zuhause, wir wollen in unserer Freizeit gut unterhalten werden usw. Um das zu bekommen, was wir brauchen, setzen wir Ressourcen ein. Funktioniert eine Ressource nicht mehr, werden Ideen entwickelt, andere Ressourcen einzusetzen. Es gibt nie nur eine einzige Möglichkeit, die Bedürfnisse zu stillen und der menschliche Geist entdeckt immer neue Möglichkeiten.

Nehmen wir die berühmten „Seltenen Erden“, die zum Synonym für knappe Ressourcen geworden sind. Sie waren notwendiger Bestandteil für alle möglichen technischen Geräte und wurden zu 95% von China kontrolliert. Als China 2010 begann, aus wirtschaftspolitischen Erwägungen den Export zu drosseln, stellten die anderen Länder ihre Produktion um: Recycling aus Abfällen und Aktivierung eigener Minen sorgte dafür, dass die „Seltenen Erden“ Chinas überflüssig wurden.

Wachstum bedeutet nicht, dass mehr Ressourcen verbraucht werden, sondern bedeutet, dass vorhandene Ressourcen effektiver genutzt oder vielleicht sogar gar nicht mehr genutzt werden müssen, weil andere, effizientere Ressourcen gefunden wurden, um die eigenen Bedürfnisse zu stillen.

Die Steinzeit endete nicht, weil die Steine zu Ende waren, sondern weil neue, effizientere Ressourcen gebraucht wurden.

 

Wachstum kein Selbstzweck

Ähnlich wie mit der Tatsache, dass die Ressourcen nur Mittel zum Zweck sind – bestimmte Bedürfnisse zu stillen –, verhält es sich auch mit dem Wachstum: es ist kein Selbstzweck, sondern dient der besseren und effektiveren Stillung unserer Bedürfnisse.

Wachstum an sich ist kein Selbstzweck und es ist ein Fehler und letztlich sinnlos, Wachstum um seiner selbst willen anzustreben. Der Wunsch, eigene Bedürfnisse immer besser und effektiver stillen zu können, sorgt für Forschritt und dieser für Wachstum. Wachstum ist eine Konsequenz des Fortschritts, nicht sein Ziel.

 

Wachstum?

In den letzten 200 Jahren sah die Welt ein gigantisches Wachstum, dass die Lebenserwartung (von 30 auf knapp 80 Jahre) und den Wohlstand der Menschen nach oben schraubte (Armutsquote von 90% auf 10% der Weltbevölkerung). Es geht jetzt nicht darum, in einen plumpen Materialismus zu verfallen und zu glauben, dass mehr Wohlstand automatisch größeres Glück bedeutet. Aber dass die Chancen auf keimfreies Wasser, gesunde Nahrung, medizinische Versorgung und ein Dach über dem Kopf die Chancen auf persönliches Glück erhöhen, dürfte einsichtig sein.

Dieses Wachstum hat auch eine Schattenseite. Weniger im sinkenden Verbrauch der Ressourcen, als in den Resten und in dem Müll, die wir in einer immer stärker werdenden Produktion hinterlassen. Die u.a. darauf zurückzuführen ist, dass mit dem Wachstum der Wirtschaft oft auch die Bedürfnisse wachsen.

Hier ist darauf zu schauen, welche Bedürfnisse es gibt und welche neu entstehen – bzw. nur entstehen, damit Wachstum generiert wird. Auch hier gilt: Wachstum ist kein Selbstzweck.

Es geht sicher auch darum, wie das Wachstum so zu gestalten ist, dass nicht nur die Gewinnung von Ressourcen, sondern auch der Umgang mit ihren Resten effizienter und nachhaltiger wird. Die eine Seite des Wachstums stillt unsere Bedürfnisse, die andere eben nicht. Entsprechend fahrlässig ist der Umgang mit der Müllproblematik oder mit dem, was aus der Energieerzeugung übrig bleibt. Klima und Umwelt lassen grüßen. Wobei hier zu sagen ist, dass die Emissionen seit 50 Jahren in den Industrieländern rückläufig sind. So ist beispielsweise in den USA seit 1970 das BIP um das 2,5fache gewachsen – während die Emissionen sich halbiert haben.

Glaube an Wachstum und Fortschritt darf nicht blind machen für die Schattenseiten. Aber eben auch nicht blind für die Seite, die uns allen ein besseres Leben ermöglicht.

Wir sind Teil einer jahrhundertealten Entwicklung, die für die allermeisten Menschen auf unserem Globus einen ungeheuren Fortschritt bedeutete. Fortschritt und Innovation werden dafür sorgen, dass diese Entwicklung weitergeht.

Zu optimistisch?

Das iPhone, das Sie in den Händen halten, oder der Laptop, auf dem Sie diesen Text lesen, hat eine Leistung, für die man vor 2 Generationen noch einen Rechner in Größe einer Turnhalle brauchte. Welche Ressourcen waren damals nötig? Welche sind es heute?

Ihr iPhone ist etwa 1 Million mal schneller als der Bordcomputer der Apollo 11, die 1969 zum Mond flog.

Das ist etwa 50 Jahre her. Wo werden wir in 50 Jahren stehen?