1886 gründete Arthur D. Little in Boston die erste Unternehmensberatung. Inhaltlich befasste sie sich in den ersten Jahrzehnten mit technischen Fragen in der chemischen Industrie, war insofern noch nicht ganz vergleichbar mit modernen Unternehmensberatungen, aber der Anfang einer neuen Branche war gemacht.

Dieser Anfang ist davon geprägt, dass die Unternehmen Hilfe im Management brauchten: die Unternehmen wurden immer größer, professionelle Manager sollten die Unternehmen führen und entsprechend war der Bedarf groß, auf professioneller Basis neu zu überlegen, wie eigentlich ein Unternehmen geführt wird (vgl. Blog Geschichte der Unternehmensberatung I).

 

“Scientific Management”

Den inhaltlichen Anfang der professionellen Managementlehre sowie der modernen Unternehmensberatung setzte Frederick Winslow Taylor (1856-1915) mit seinen 1911 in New York erschienen „Principles of Scientific Management“. Bereits im Titel seines Werkes wird der Anspruch deutlich, um den es ihm geht: eine wissenschaftliche Managementlehre zu entwerfen und diese als Beratungsleistung anbieten zu können.

F. Taylor (1856-1916), Quelle: www.wikipedia.org

Taylor entstammte einem bürgerlichen Haus, war ein begabter Student musste sein Studium jedoch wegen Kurzsichtigkeit abbrechen und begann eine Lehre als Werkzeugmacher und Maschinist. Im Unternehmen stieg er schnell auf und konnte schließlich noch ein Ingenieursstudium abschließen. Er stieg zum Generaldirektor auf, machte sich jedoch bald selbständig mit seinem neuen Produkt: Unternehmensberatung.

Hier wurde er schnell bekannt, als er in Fitchburg die Kontrolle des Kugellagers in eindrucksvoller Weise rationalisierte, indem er durch deutliche Verkürzungen der Arbeitszeit die Produktivität spürbar steigern konnte. Taylor wurde immer berühmter und entwickelte aus seinen Erfahrungen das “Scientific Management”.

Die wissenschaftstheoretische Grundlage des „Scientific Management“ besteht in der Quantifizierbarkeit sämtlicher relevanter Faktoren, insbesondere der Arbeits- und Produktionsabläufe. Die Unternehmen wurden – im Unterschied zu ihren vorindustriellen Vorgängern – daraufhin entwickelt, Erfolg zu haben. Dies bedeutete in erster Linie, möglichst hohe Gewinne zu erzielen, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen und weiteres Wachstum erzielen zu können. Erfolg brauchte mehr denn je Effektivität und diese wurde greifbar und konkret durch Zahlen und Vergleiche, und Taylor war ein Meister darin, diese Zahlen und Vergleiche zu liefern.

Quelle: www.toolshero.nl

Mehr als je zuvor ging es den Unternehmen darum, Kontrolle über ihre eigenen Abläufe zu gewinnen. Kontrolle bedeutete strukturell die zentrale und hierarchische Leitung der Unternehmen und inhaltlich eine möglichst umfassende Quantifizierung aller unternehmerischen Prozesse, vor allem auch der Arbeiter, deren Funktionalität wie die einer Maschine gesehen wurde.

Taylor hatte vier Grundprinzipien, die lange Zeit als unumstößlich im Management angesehen wurden:

(1) Trennung von Hand- und Kopfarbeit: Das Management / die Verwaltung wird strukturell klar von der Produktion getrennt.

(2) Pensum und Bonus: ein tägliches Pensum für den Arbeiter wird festgesetzt. Erreicht er dies, erhält er zur Motivation auch einen Bonus.

3) Auslese und Anpassung der Arbeiter: Prüfung des Arbeiters auf seine psychische Konstitution, Belastbarkeit, Entwicklungsfähigkeit usw.

(4) Versöhnung zwischen Arbeitern und Management: das Scientific Management soll den Streit zwischen den Klassen überwinden.

Taylor schuf mit dem „Scientific Management“ eine wichtige Grundlage professioneller Unternehmensberatung, die in den nächsten Jahrzehnten zu einer wichtigen Grundlage der jetzt erst ins Leben gerufenen Managerausbildung wurde und teilweise bis heute gültige Maßstäbe setzte. Die Ausbildung an den „Management Schools“ ist bis heute in Vielem vom „Scientific Management“ Taylors abhängig.

Quelle: www.br.de

Die wissenschaftliche Grundlage bzw. der Versuch, eine Lehre des Managements zu entwickeln, die wissenschaftlichen Kriterien genügt, wurde schon damals und wird auch heute von vielen Seiten bezweifelt. Unabhängig von der Berechtigung des wissenschaftlichen Anspruchs hat das „Scientific Management“ im 20. Jahrhundert das Bild des Unternehmers, des Managers und des Unternehmensberaters entscheidend geprägt. Henry Ford und seine Massenproduktion wären nicht denkbar gewesen ohne das “Scientific Management”.

Die Unternehmensberatungen wurden mit diesen inhaltlichen Weichenstellungen im 20. Jahrhundert zu entscheidenden Faktoren der Ökonomie. Durch ihre Möglichkeiten, die unternehmerische Situation zu quantifizieren und auf dieser Grundlage zu analysieren, wurden sie zu unverzichtbaren Partnern der Unternehmen.

Die weitere Entwicklung der Managementlehre ging in vielen Punkten über Taylor hinaus, blieb jedoch notwendigerweise an seinen inhaltlichen Grundlagen gebunden: der Analyse der unternehmerischen Situation durch Zahlen und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten der Effektivitätssteigerung. Dieses Axiom prägte Unternehmen und Unternehmensberatungen gleichermaßen und schuf eine stabile Symbiose beider, die allerdings nicht ewig halten sollte. Geschichte geht weiter. Auch die Geschichte der Unternehmensberatungen.

 

Literaturempfehlungen:

Kieser, Alfried; Walgenbach, Peter: Organisation.

Taylor, Frederick Winslow: The Principles of Scientific Management.