Wie wird es mit der katholischen Kirche weitergehen?

Ein Blick in die Zukunft ist immer spekulativ. Und trotzdem ist er notwendig, das gilt für jede Organisation, auch für die Kirche.

Die Kirche befindet sich in einer schweren, vielleicht lebensbedrohlichen Krise. Wie will sie in die Zukunft gehen? Welche Tendenzen zeichnen sich ab? Was sollte sie tun, damit sie gut in die Zukunft gehen kann? Und wie wahrscheinlich ist, dass sie das tut?

Was muss die Kirche tun?

Die notwendigen Handlungsoptionen der Kirche ergeben sich aus der Krise. Wenn die Kirche aus der Krise herauskommen will, muss sie die Dinge bekämpfen, die die Krise hervorgebracht haben.

Zu glauben, dass die aktuelle Krise nur vorübergehend sei und man nur abwarten muss, bis alles besser wird, ist ein tödlicher Fehler. Jahrhundertelange Entwicklungen sind keine kurzfristigen Trends.


Was ist passiert?

In den vorigen drei Blogs wurden die Ursachen der Krise dargestellt:

  1. Anti-Vernunft: bis zum Spätmittelalter waren kirchliche und weltliche Vernunft faktisch deckungsgleich. Dies bedeutete unter anderem, dass es für den normalen Menschen selbstverständlich war, dass Gott in seinem Leben auftauchte: weil Gott überall war und alles auf Gott bezogen wurde.
    Als die Kirche im Spätmittelalter begann, diese Einheit aufzulösen, hatte es nicht nur den Effekt, dass die weltliche Vernunft immer weniger Einfluss auf die theologische Vernunft bekam: ein weiterer Effekt war die „Entgöttlichung“ der normalen Welt: Gott wurde für immer mehr Menschen unauffindbar. Der Ursprung der heutigen Glaubenskrise. (Vgl. Blog Anti-Vernunft)
  1. Selbstblockade: weltliche und kirchliche Vernunft entwickelten sich im Laufe der nächsten Jahrhunderte immer weiter auseinander. Die Kirche reagierte mit immer schärferen Abgrenzungen, moderne weltliche Errungenschaften wie Demokratie und Menschenrechte wurden verurteilt. Ende des 19. Jahrhunderts wurde diese Trennung zur weltlichen Vernunft besiegelt: die Kirche mit dem Papst an der Spitze ist unfehlbar.

    Die Verkündigung der Unfehlbarkeit 1870 (Quelle: www.wikipedia.org)

    Diese Unfehlbarkeit führte zu einer kirchlichen Struktur, die sich selbst blockiert, weil sie weder in der Lage ist, vergangene Fehler als solche anzuerkennen, noch in der Lage ist, mit Veränderungen zu reagieren. (Vgl. Blog Selbstblockade)

  1. Moral: die immer weiter schwindende spirituelle Bindung der Menschen führte dazu, dass sich die Kirche immer mehr als moralische, nicht als spirituelle Institution definierte. Die Befolgung von Geboten definierten den Christen, nicht seine Nähe zu Gott. Diese Moralisierung höhlte das spirituell-religiöse Fundament weiter aus.
    Zugleich führte das Verschwinden des religiösen Fundaments zu einem moralischen Verfall bei denjenigen, die aus strukturellen Gründen (siehe Punkt 2) nicht angemessen bestraft werden konnten: den Amtsträgern. Insbesondere der sexuelle Missbrauch Minderjähriger und dessen mangelhafte Aufarbeitung sind Zeichen dieses inneren moralischen Verfalls, nicht die einzigen, aber die deutlichsten. (Vgl. Blog Moral)

Diese drei benannten Elemente bezeichnen drei verschiedene Problemfelder, die mit unterschiedlicher Dringlichkeit zu bearbeiten sind:

  1. Die Anti-Vernunft ist die geistig-spirituelle Ebene der Kirche, die langfristig zu bearbeiten ist.
  2. Die Selbstblockade steht für die strukturelle Ebene der Kirche, die mittelfristig zu bearbeiten ist.
  3. Die Moral steht für die faktisch-praktisch Ebene der Kirche, die kurzfristig zu bearbeiten ist.

 

Was ist zu tun?

Rollen wir die Problemfelder gemäß der Dringlichkeit von hinten auf. Beginnen wir mit der Moral.

1. Arbeit an der Moral:

Dieses Feld ist das dringlichste, weil es zum einen aufgrund der vielen Opfer dieser Moral (Missbrauch usw.) eine schnelle Reaktion braucht und zum anderen, weil hier schnell reagiert werden könnte – wenn man denn will.

Sofort und unmittelbar muss es darum gehen, die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger und Erwachsener (!) glaubwürdig anzugehen. Opfer müssen ernst genommen und angemessen entschädigt werden. Dafür müssen Verantwortliche bis in die höchsten Stellen benannt und zur Verantwortung gezogen werden. Gleichzeitig müssen Instrumente geschaffen werden, geschehenen Missbrauch schnell entdecken und aufklären zu können.

Man muss feststellen, dass in diesem Bereich noch nicht viel passiert ist. Maximal in Ländern, in denen die staatliche Justiz hart ermittelt hat (wie in den USA), hat die Kirche (erzwungenermaßen) angemessen reagiert: Opfer wurden angemessen entschädigt, Bischöfe traten zurück, Aufklärungssysteme wurden installiert.

Andere Länder wie Deutschland beginnen erst langsam mit der Aufarbeitung. Der Umgang mit den Opfern ist auch 12 Jahre nach Beginn der Missbrauchs-Veröffentlichungen noch immer fragwürdig, nicht ein einziger Verantwortlicher trat bisher zurück, Aufklärungssysteme („Whistleblowing-Systeme“) sind nur in wenigen Bistümern angekündigt und laufen aktuell in nur einem einzigen. Immer neue Gutachten werden in Auftrag gegeben, die Konsequenzen daraus sind überschaubar. In anderen Ländern (Spanien, Italien, Polen,  usw.) weigert sich die Kirche, auch nur die Problematik anzuerkennen.


Prognose:

Die Tatsache, dass die Kirche nur in den Ländern angemessen reagiert, in denen sie staatlichen Druck verspürt, spricht nicht für einen eigenen Aufklärungswillen. Für einen solchen mangelnden Aufklärungswillen spricht auch, maximal (!) das zuzugeben, was durch Gutachten bewiesen auf dem Tisch liegt und anschließend „entsetzt“ und „erstaunt“ über Dinge zu sein, die im Gutachten veröffentlicht sind, aber bereits seit Jahrzehnten in den eigenen Aktenschränken schlummern.

Der entscheidende Antrieb zur Lösung dieses Problems – zumindest in Deutschland – wird vermutlich von staatlichen Stellen, also von der Justiz kommen. Hierfür sprechen mehrere Gründe:

  • Mittlerweile ist durch mehrere Gutachten bestätigt, dass die Justiz oftmals sehr kirchenfreundlich agiert hat. Verfahren wurden nicht angenommen, interne Informationen an die Bistümer weitergegeben usw. Diese Problematik ist mittlerweile bekannt. Öffentlicher und auch politischer Druck werden hier für Veränderungen sorgen.
  • Kirchliches Sonderrecht, das die Kirche in vielen Bereichen vor staatlichen Ermittlungen schützte, kommt immer mehr auf den Prüfstand, vor allem durch den Europäischen Gerichtshof. Auch das wird Auswirkungen auf die Möglichkeiten zukünftiger Strafverfolgen haben.
  • Immer mehr von Missbrauch Betroffene wenden sich mittlerweile an die Justiz, aus Enttäuschung über die mangelhafte kirchliche Aufarbeitung. Erst in der letzten Woche wurde ein Strafantrag gegen die ehemaligen Münchner Bischöfe (u.a. Ratzinger) gestellt.

Man muss davon ausgehen, dass der erste und entscheidende Schritt zu einer glaubwürdigen und angemessenen Aufarbeitung durch staatliche Ermittlungen vollzogen wird. Hierfür spricht die bisherige mangelhafte Motivation der Kirche und hierfür spricht eine aus verschiedenen Gründen gesteigerte Motivation der Justiz.

Erst wenn dieser Anfang gemacht ist und kirchliche Amtsträger auch staatlich verurteilt sind, wird die Kirche die Motivation aufbringen, eigenständig die Missbrauchsthematik oder anderer Problemfeler wie etwa der Sexualmoral anzugehen und die „Leichen“ aus ihrem Keller zu entfernen.

Insofern wird die Kirche dieses Problem früher oder später lösen, aber mit Hilfe. Je eher, desto besser. Nicht nur für die Opfer, sondern auch für die Kirche.

 

2. Arbeit an der Struktur

Der sexuelle Missbrauch Minderjähriger und Erwachsener sowie seine jahrzehntelange Vertuschung ist eines von vielen Symptomen eines strukturellen Defizits der Kirche. Diese Symptome konnten entstehen durch eine kirchliche Machstruktur, die von außen überhaupt nicht kontrolliert wird und auch nach innen einen faktisch rechtsfreien Raum darstellt, da es immer eine Ebene gibt, die über dem Kirchenrecht steht und damit rechtsfrei agieren kann.

Diese kirchliche Machtstruktur hat sich aus zwei Perspektiven aus untauglich erwiesen: zum einen in der mangelnden Sicherstellung eines hohen moralischen Standards in den eigenen Reihen der Amtsträger, zum anderen in der Unfähigkeit, auf Krisen bzw. die große Krise irgendwie reagieren zu können.

Im Brennpunkt einer Veränderung der Machtstruktur steht eine höhere Durchlässigkeit – personell wie inhaltlich – zur Masse der „Gläubigen“: aller Nicht-Priester.

 

Um die Notwendigkeit mit Zahlen zu belegen: Umfragen zufolge sind etwa 25% der Kirchgänger für eine Abschaffung des Zölibats und für die Zulassung von Frauen für das Priesteramt. Das sind zwei der zur Zeit heiß diskutierten Themen und von diesen Zahlen kann man rückschließen, dass etwa 25% der Kirchgänger mit der Kirche an sich zufrieden sind: mit ihrer Amtsstruktur, somit mit ihrer Machststruktur.

25% der Kirchgänger klingt jetzt gar nicht mal wenig, und in der Tat ist das die Gruppe, auf die sich die Amtshierarchie beruft. Es sind allerdings 25% der Kirchgänger!

Also 25% von 8% (Quote Kirchenbesucher), heißt: 2% der aktuellen Katholiken. Wenn man jetzt noch die ausgetretenen Katholiken hinzurechnet (die ja getauft sind und damit Christen bleiben), muss man ein weiteres Sechstel abziehen (da 1/6der Katholiken in den letzten 20 Jahren ausgetreten ist).

Summa summarum muss man feststellen, dass ca. 1,6% der Katholiken mit den kirchlichen hierarchischen Strukturen zufrieden sind. 98,4% sind es nicht. Weswegen sie austreten, nicht mehr in die Kirche gehen oder zu einem geringen Anteil noch in die Kirche gehen – in der Hoffnung, dass sich was ändert.

Einen Kurs zu fahren, mit dem 1,6% der eigenen Leute zufrieden sind, kann gar nicht gut gehen.



Wenn die katholische Kirche sich retten will, ist sie gezwungen, diese 98% in die kirchlichen Strukturen einzubinden. Einbinden bedeutet: mitentscheiden zu lassen. Einfluss und damit Macht zu geben, damit keine kirchliche Politik passieren kann, die gegen den Willen nahezu aller Mitglieder durchgesetzt wird.

Es gibt durchaus synodale und demokratische Gremien in der Kirche. Die sind vor allem durch eine gemeinsame Eigenschaft geprägt: völlige Machtlosigkeit.

Dies muss die Kirche ändern und dann wird sich auch die Kirche ändern. In ihren Machtstrukturen. In ihrer Sexualmoral. In ihrem Auftreten gegenüber den Menschen.

Es geht hierbei nicht um eine bloße Machtfrage: es geht im Grundanliegen nicht darum, dass die Nichtpriester etwas zu sagen haben müssen, sondern darum, dass bestimmte Dinge in der Kirche geändert werden müssen, und das geht nur, wenn die Nichtpriester etwas zu sagen haben.

Prognose:

In nächster Zukunft sind hier keine Veränderungen zu erwarten. Seit mittlerweile 50 Jahren kämpfen Gremien von Nichtpriestern („Laien“) um mehr Einfluss, seit 50 Jahren gibt es die Forderungen, die streng hierarchischen Strukturen der Kirche zu ändern. Nichts ist passiert, außer einigen neuen Gremien, die eine Beteiligung von Laien simulieren.

Die Kirche wird also noch eine längere Zeit versuchen, mit ihren aktuellen Strukturen die Krise in den Griff zu bekommen. Was nicht funktioniert, und dann auch irgendwann verstanden wird. In vielleicht 20 Jahren. Bis dahin ist die Kirche noch einmal deutlich kleiner geworden, wird aber wahrscheinlich dann reagieren.

Ein Blick in die Geschichte der Kirche lehrt, dass sie nie schnell reagierte, aber irgendwann doch, wenn die Krise gefährlich wurde. So auch jetzt.

 

3. Arbeit an der Vernunft

Diese Arbeit ist die vielleicht wichtigste, aber auch schwierigste. Die kirchliche Vernunft, die sich äußert in Verlautbarungen, in der Lehre, in der Begründung von Entscheidungen steht in einem Gegensatz zur „weltlichen“ Vernunft: wichtige Erkenntnisse der Soziologie, der Geschichte, der Psychologie und der Philosophie werden abgetan als nicht kompatibel mit der Offenbarung: „das hat doch nichts mit dem Glauben zu tun!“

Doch.

Glaube ist kein luftleeres Geschehen, das sich nur zwischen dem einzelnen Menschen und Gott abspielt – genausowenig wie die Kirche ein luftleeres Geschehen ist, in dem nur Gott regiert. Überall steht der Mensch: mit seiner eigenen Biographie, seiner Geschichte, seiner Gesellschaft, seiner Kultur, seiner Sprache, seinen Verständnismöglichkeiten, seinen Fragen und seinen Antworten.

Das zu missachten, ist dumm und führt dazu, dass die meisten Menschen überhaupt nicht in der Lage sind, die Kirche zu verstehen – und noch weniger, den Gott zu verstehen, den die Kirche verkündet.

 

Die Kirche wurde im ersten Jahrtausend bis in das Hochmittelalter hinein groß, weil sie den heute oft verteufelten „Zeitgeist“ aufgegriffen hat. Sie blieb nicht bei der Bibel, sondern interpretierte die Bibel vor dem jeweiligen Zeitgeist.

Dies führte dazu, dass das Fundament der kirchlichen Lehre nicht biblisch, sondern zeitgenössische Interpretation der Bibel ist: Dreifaltigkeit, Zwei-Naturen-Lehre, selbst die kirchliche Hierarchie ist zeitgenössische Interpretation der Bibel.

Diese Interpretation ist notwendig. Aber nicht nur 325 oder 1870, sondern auch heute.

 

Diese neue Interpretation durchzuführen, würde bedeuten, die gesamte kirchliche Lehre auf den Kopf zu stellen. Ein „Denkstau“, der sich etwa seit 1200 aufgestaut hat, würde gelöst werden. Die gesamte kirchliche Lehre würde auf den Kopf gestellt, aber die Menschen hätten wieder eine Chance, die Kirche und ihren Gott zu verstehen bzw. ein neues, ihnen angemessenes Verhältnis zu Gott zu gewinnen.

Kann irgendwer – und damit meine ich auch die kirchlichen Amtsträger – verstehen, was gemeint ist, wenn vom dreifaltigen Gott gesprochen wird oder von den beiden Naturen Christi?

Es geht darum, mit neuen Begriffen, mit neuer Sprache und neuer Vernunft auf diese Offenbarung zu schauen und sie in eine neue Sprache zu setzen – mit Rückgriff auf, das, was die Wissenschaften heute sagen. So lief es vor 1000 Jahren und so muss es auch heute laufen.


Christus, der “Logos”, erschafft die Welt (Quelle: www.wikipedia.org)

Vor 1000 Jahren war Gott die höchste Vernunft („Logos“), die die Welt regiert. Gott und Welt waren eins. Gott wurde auf die Welt bezogen und die Welt auf Gott. Das brach im Spätmittelalter ab und löste eine Glaubenskrise aus, die immer schärfer wurde, je länger sie dauert.

Diese Trennung zwischen weltlicher und kirchlicher Vernunft muss überwunden werden: durch eine größere Beteiligung der Nichtpriester an den Machtstrukturen, aber auch durch eine größere Freiheit der Theologie, die nicht vom Lehramt mit Denkverboten belegt werden darf und das aufnehmen muss, was die Wissenschaften, was Psychologie, Soziologie, Geschichte und Philosophie über den Menschen sagen.

Prognose:

Es sind keine Zeichen erkennbar, dass die Kirche diesen Weg gehen will und „weltliche“ und „kirchliche“ Vernunft wieder zusammenführen will. In den ersten Jahrhunderten konnte die Kirche wachsen, in dem sie diese Einheit besaß. Die Menschen wurden ohne Gewalt zum Christentum bekehrt, weil das Christentum glaubwürdig machen konnte, dass sein Gott die Antwort auf die Fragen der Welt ist. Spätere Zugewinne des Christentums waren weniger der Überzeugungskraft, sondern zumeist anderen Mitteln zu verdanken.

Entsprechend entscheidet sich an dieser Frage die mögliche Fähigkeit der Kirche, wieder zu wachsen. Die strukturellen und äußeren Maßnahmen, die oben beschrieben wurden, können den Verfall der Kirche aufhalten und maximal für leichte Zugewinne bei denen sorgen, die noch im kirchlichen Dunstkreis sind.

Alle anderen sind weg und wären nur zu gewinnen, indem das Christentum ihnen wieder als glaubwürdige und einsichtige Lösung auf die Frage nach dem Sinn der Welt erscheint – und diese Antwort muss kompatibel mit der Welt sein, sonst wird sie nicht gesehen.

Dieser Weg ist bei der Kirche nicht erkennbar. Vielleicht wird es ihn irgendwann geben, aber dann müssen sich die strukturellen Veränderungen wahrscheinlich mehrere Jahrzehnte gesetzt haben.

 

Was wird aus der Kirche?

Das wird von ihr selbst abhängen.

Selbst eine schnelle Reaktion in Bezug auf die lebenspraktisch-moralischen Schwierigkeiten (Missbrauch etc.) wird die Geschwindigkeit des Verfalls nur verlangsamen, aber nicht aufhalten können.

Die strukturellen Veränderungen wären zumindest in der Lage, den Verfall aufzuhalten und die Menschen zurückzugewinnen, die sich noch im Dunstkreis der Kirche bewegen. Je später diese Veränderungen kommen, desto weniger Menschen wären dies.

Um weitere Menschen zu gewinnen, die der Kirche fernstehen, wäre es nötig, oben beschriebene „Arbeit an der Vernunft“ durchzuführen. Dies ist jedoch nicht absehbar, damit wird die Kirche in den nächsten Jahrzehnten nur auf „kirchennahe“ Menschen zurückgreifen können. Das sind vielleicht 20-30% der heutigen Christen. Der Rest wird nach und nach austreten bzw. nicht eintreten (Kinder nicht taufen lassen).

Quelle: www.wikipedia.org

Sollte die Kirche keine Veränderungen durchführen, wird sie nach und nach in verschiedenen Ländern – so auch in Deutschland – völlig marginalisiert werden und auf einige wenige Kerngemeinden zusammengeschmolzen.

 

Am wahrscheinlichsten ist es, dass die Kirche langsam beginnt, auf der Ebene des praktisch-moralischen zu arbeiten. Bis zu ersten wahrnehmbaren Ergebnissen werden noch Jahre vergehen, der Verfall wird ungebremst weitergehen. In einigen Jahrzehnten wird der Verfall dann durch strukturelle Reformen eingebremst werden können. Ein wirkliches Wiedererstarken der Kirche im Sinne einer Wiedergewinnung breiter Bevölkerungsschichten ist nicht zu erwarten.

Mit anderen Worten: die Kirche wird kleiner. Die Frage ist nur, ob kleiner oder winzig.